Bild : Wir arbeiten in aussterbenden Berufen Kohlenhändler, Messerschmied, Schirmmacherin

Der Kohlenhändler hat immer weniger Kunden. Die Schirmmacherin ist eine von nur noch 20 in ganz Deutschland. Beim Drechsler drückt die Konkurrenz aus Osteuropa, dem Messerschmied fehlen die Lehrlinge.

Hier sprechen vier Menschen, die in aussterbenden Berufen arbeiten und damit selbst ein Stück lebende Geschichte sind.

Jens Kubesch (38)

Beruf: Messerschmied

„Wir stellen Messer auf die traditionelle Art her. Küchenmesser für Köche und Restaurantbesitzer, chirurgische Messer für Ärzte, andere Modelle z. B. für Jäger. Daneben schleifen wir Messer und Scheren (3 bis 14 Euro). Unser Stahl ist härter als der bei Fabrikmessern, obwohl die Konkurrenz aus China immer härter wird. Bei den Preisen (ab 180 Euro) können wir mithalten. Allerdings fehlt der Nachwuchs, bundesweit sind es vielleicht noch fünf Lehrlinge. Keiner will mehr ausbilden, sich selbst Konkurrenz heranzüchten. Den jungen Leuten wiederum ist die Arbeit nicht sauber genug.“
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Foto: contrastwerkstatt – Fotolia

Gerhard Preick (60)

Beruf: Drechsler

„Unser Beruf ist enorm vielseitig. Wir machen Holzlampen, Möbelteile, Kunstgewerbe (z. B. Räuchermännchen), Spielzeug. Neben Holz verarbeiten wir auch Knochen, etwa von Wal oder Rind. Daraus werden Schmuckstücke oder Knöpfe. Wir haben technisch immer mitgehalten, Handarbeit und computergesteuerte Maschinen gehören heute zusammen. Die Konkurrenz sitzt im Osten, vor allem Moldawien und Litauen, und sie ist billiger. In Deutschland sinkt die Zahl der Betriebe ständig. Mein Sohn will kein Drechsler sein, er lernt lieber Maschinenbau-Ingenieur.“

Peter Hantke (50)

Beruf: Kohlenhändler

„Mein Großvater hat den Laden gegründet, ich führe ihn in 3. Generation. Jetzt im Sommer ist viel zu tun. Die Leute packen sich die Keller voll, weil der Kohlepreis niedrig ist. Lausitzer Kohle ist am besten, die Ware aus Tschechien bröckelt zu sehr und entzündet sich zu schnell. Früher hatte ich nur Kunden in der Nachbarschaft, zehn Minuten Fahrweg. Heute fahre ich raus ins Umland, eine Stunde und mehr, weil immer weniger Menschen einen Kohleofen haben. Der Staub setzt sich auch überall ab, ich habe selbst Lungenprobleme. Meine Söhne lernen was anderes – und ich verstehe sie.“

Carola Vertein (44)

Beruf: Schirmmacherin

„Unsere Familie hat die Firma 1876 gegründet. Ich bleibe dabei, solange ich kann, auch wenn ich damit nicht reich werde. Unsere Schirme sind keine Standardware, sondern passen individuell zum Träger. Natürlich müssen sie auch stabil sein, vor allem im Wind. Das geht bei 29 Euro los, ich hatte aber auch schon einen Seidenschirm mit Silbergriff für 990 Euro. Unsere Innung ist seit 1990 aufgelöst, man kann den Beruf nicht mehr lernen. 20 Menschen üben ihn in Deutschland noch aus, inzwischen kommen aber 75 Prozent der Schirme billig aus China.“ Von R. KLOSTERMANN

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